Gelungene Integration

22 Kicker aus 14 Nationen spielen erfolgreich in der B2-Jugend bei Rot-Weiß Darmstadt

Verbunden und bewegt im Verein – das sind viele Millionen Menschen in Deutschland. Jedes Mitglied weiß um die positiven Nebeneffekte, die der gemeinsame Sport mit sich bringt. Denn neben den gesundheitsfördernden Eigenschaften steht der Sport in der Gemeinschaft für weitaus mehr: Zusammengehörigkeit, Kommunikation und Freude, kurz: Lebensqualität. Dies spielt gerade für Menschen mit Migrationshintergrund eine wichtige Rolle. Der SKV Rot-Weiß Darmstadt zeigt, wie einfach die aktive Teilnahme von Nachwuchsfußballern am Vereinsleben sein kann, deren Eltern aus 14 verschiedenen Ländern stammen.

 

Donnertag Abend, 18 Uhr, Vereinsgelände der Rot-Weißen in der Heimstättensiedlung. Es ist Trainingszeit der B2-Jugend. Auf dem Trainingsplatz traben sich unter Flutlicht 22 Kicker pflichtbewusst Runde für Runde warm. Man hört Gelächter und Gemurmel. Nichts Außergewöhnliches. Doch wer weiß, dass zwei Drittel der Mannschaft aus 14 Nationen kommen, ist erstaunt, dass das Training reibungslos und ohne Verständnisprobleme über die Bühne geht. „Die deutsche Sprache ist bei uns Pflicht“, sagt Vereinsvorsitzender Harry Distelmann. „14 Länder, das ist schon außergewöhnlich, aber es ist eine gelungene Integration und funktioniert.“ Sowohl im Team als auch im Wettkampf, denn da steht die Mannschaft um Trainer Zoran Ljubicic – selbst Kroate – momentan an der Spitze der Kreisliga.

Ein Erfolg denn sich der Trainer und die Seele der Mannschaft, Team-Betreuer Frank März, auf die Fahnen schreiben können. „ Wir sprechen die gleiche Sprache und haben viel Schweiß in die Arbeit gesteckt, mussten viel an der fußballerischen Basis feilen. Es zahlt sich nun aus“, berichtet März. Doch vor dem Erfolg standen fünf Jahre harte Arbeit, auch über den Sport hinaus. „Wir sind ein saugutes Team, haben einen tollen Teamgeist, trotz unterschiedlicher Herkunft“, erklärt Betreuer März. „Wir haben das aber erst mit Teambildungsmaßnahmen wie beispielsweise zu Bundesliga-Spielen fahren, Kart fahren oder gemeinsames Grillen erreicht.“ Das habe gefruchtet, man respektiere sich untereinander, lehne keinen wegen seiner Herkunft ab, treffe sich privat und stehe füreinander ein. Konflikte im Team werden mittlerweile alleine gelöst, eine führende Hand brauche es dennoch.

Mitverantwortlich für den Erfolg sei auch die Art und Weise, wie mit den fast 16 Jahre alten Jugendlichen umgegangen werde. Man ist mit den jungen Spielern auf Augenhöhe, hält zudem privaten Kontakt zu Spielern und Eltern. „Wir gehen mit auf Ausbildungssuche oder geben Hilfestellung bei Familienproblemen. Das zeichnet uns aus und ist der Schlüssel, dass die Spieler der Mannschaft weiterhin treu blieben. Wir sehen uns als Ansprechpartner in allen Lebenslagen, als Kumpeltyp mit kooperativem Führungsstil“, betont März, der im Job als Berufsberater tätig ist.

Für Rot-Weiß-Chef Distelmann ist das Thema Integration in Sportvereinen immer gut aufgehoben. Aber es gibt klare Regeln. „Gerade im Wettkampfsport zählen Disziplin, Einordnung in die Mannschaft und Teamgeist. Es sind grundlegende Eigenschaften, mit denen man auch Mentalitäts- und Sprachprobleme einfach überwinden kann.“

Den Kern der zusammengewürfelten Truppe bilden die damaligen E- und D-Jugendlichen aus 2009, die im Laufe der Jahre immer wieder mit zwei bis drei neuen Spielern ergänzt werden. „Durch die intensive Arbeit über die Jahre, haben wir einen guten Eindruck auf anderen Plätzen hinterlassen, das hat sich rumgesprochen und Interesse bei Spielern aus anderen Vereinen geweckt“, sagt Trainer Ljubicic stolz. Sportlich will der Trainer seine Spieler in den Aktivenbereich bringen, am liebsten weiterhin bei Rot-Weiß Darmstadt.

Die Freude am gemeinsamen Fußball spielen sind für die B2-Spieler aus Äthopien, Deutschland, Ecuador, Frankreich, Ghana, Indien, Italien, Iran, Kroatien, Somalia, Spanien, Südkorea, Türkei und Tunesien wichtiger als der sportliche Erfolg. Dafür nehmen einige Spieler aus Arheilgen, Alsbach, Stettbach und Traisa.für das Training und die Spiele eine enorme Anfahrt mit Bus oder Bahn auf sich. Ein Zeichen, dass es ihnen Spaß macht. Einigen Spielern würde es schon reichen nach dem Jugendbereich in der dritten Herrenmannschaft weiterzuspielen.

„Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund haben oft klare Vorstellungen von Ihrer Zukunft“, sagt Harry Distelmann. So will der 15 Jahre alte Mittelfeldspieler Aziz Gasdallah aus Tunesien unbedingt Pilot werden: „Die Luftfahrt interessiert mich schon immer. Der Beruf steht klar im Vordergrund. Mit der Mannschaft habe ich noch nie solch ein Zusammenhalt erlebt.“ Auch für den 16-jährigen Stürmer Sebastian Villena aus Ecuador ist die Ausbildung im Metallbau wichtig, will aber danach Fußballprofi werden. „In der Mannschaft diskutieren wir auch untereinander über Fehler und was man besser machen kann.“ Und Yussuf Abdullahi aus Ghana, 15 Jahre alt, Mittelfeldspieler und erst seit einem halben Jahr dabei: „Ich will auf jeden Fall mein Abitur machen. Im Team bin ich toll aufgenommen worden.“

So wie bei anderen Vereinen, steht auch bei den Rot-Weiß-Kickern im Dezember wieder eine Weihnachtsfeier auf dem Programm. Doch wie funktioniert das mit dem Essen bei Spielern aus 14 Ländern? „Da gehen wir einfach wie jedes Jahr zum Chinesen, der hat für jeden was“, sagt lachend Team-Betreuer Frank März.

uk

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