Blockheizkraftwerk liegt auf Eis

SG Arheilgen erhält für Hallensanierung und moderne Technik keinen Zuschuss von der Stadt

Deutschland verfügt über 231.441 Sportstätten. An diesen besteht bereits ein Sanierungsstau von mehr als 42 Milliarden Euro. Erst kürzlich appellierte Walter Schneeloch, Vizepräsident beim Deutschen Olympischen Sportbund, zuständig für Breitensport und Sportentwicklung, an Bund, Länder und Gemeinden, die Sportstätten-Förderung konsequent in den Blick zu nehmen und nachhaltig zur Beseitigung des Sanierungsstaus beizutragen.

„Deutschland vernachlässigt seine Sportstätten. Alle reden davon, Straßen und Brücken zu sanieren, aber auch im Sport besteht dringender Handlungsbedarf, wenn wir nicht eines Tages vom Sportstätten-Weltmeister zum Qualifikanten werden wollen.“

Das muss bei der SG Arheilgen, dem achtgrößten Sportverein Hessens mit 4.800 Mitgliedern, wie Gold in den Ohren geklungen haben. Dringend muss das Sportzentrum „Auf der Hardt“ saniert werden. Und nicht nur das. Der Verein will sich für die Zukunft rüsten, braucht dafür moderne Technik. Geplant sind ein Blockheizkraftwerk, die energetische Sanierung des Sportzentrums, inklusive Dach-Reparatur sowie Brandschutzerneuerungen.

Das alles kostet viel Geld. „Das Investitionsvolumen beträgt insgesamt etwas über 1,2 Millionen Euro“, sagt Sven Beißwenger, SGA-Vizepräsident, zuständig für Finanzen. Und so soll die Stadt ihren Teil dazu beitragen, genau 610.000 Euro. Nicht wenig, doch Darmstadts größter Verein hat der Stadt vorgeschlagen, die Summe zu dritteln und in den Haushaltsetats 2014, 2015 und 2016 jeweils etwas über 200.000 Euro zu berücksichtigen, inklusive einer teilweisen Vorfinanzierung. Doch Sportbürgermeister Rafael Reißer winkte mangels leerer Kassen ab. „Über Sportamtsleiter Torsten Rasch haben wir erfahren, dass der Etat das nicht stemmen kann. Da waren wir wohl zu optimistisch“, ärgert sich Thomas Arnold-Münzberg, Präsident der SG Arheilgen, der den Antrag bereits im vergangenen Jahr stellte.

Dabei hätte die moderne Technik die Umwelt geschont und gleichzeitig auch noch den Energieverbrauch der SG Arheilgen gesenkt. „Bei einem Blockheizkraftwerk hätten wir aus dem Nutzungszwang der Fernwärmesatzung aussteigen können, denn wir verbrauchen im Jahr satte 200.000 Euro allein für Energie“, berichtet Sven Beißwenger. „Die neue Anlage hätte zudem Überschüsse erwirtschaften können und damit Einnahmen für den Verein generiert.“

Nun steckt die SG Arheilgen in einem Dilemma, denn ohne die Zustimmung der Stadt gibt es keine Fördermittel (305.000 Euro) vom Land und kein Bankkredit für die Finanzierung des Eigenanteils von 25 Prozent des Investitionsvolumens. „Alleine können wir das nicht schultern. Das Projekt liegt nun auf Eis. Aber wir lassen nicht locker, bleiben in Gesprächen und halten an dem Antrag für 2014 fest“, gibt sich Vizepräsident Beißwenger motiviert.

Doch auf Dauer könne der Verein so nicht weitermachen. Was ansteht an Sanierungen muss gemacht werden. Sonst werde es Flickwerk, sagt Beißwenger. Und so hat der Großverein neben Investitionen in sechsstelliger Höhe bisher selber eine ganze Menge Planungsarbeit und finanzielle Anstrengungen unternommen, um seinen Anteil an den ausstehenden Sanierungen zu meistern. „Der Sanierungsstau wächst uns sonst über den Kopf.“

Allein für den Brandschutz und fünf neue Lichtkuppeln wurden 86.000 Euro aufgebracht, für Planung und Gutachten nochmal 20.000 Euro. Bereits bei der Mitgliederversammlung wurde der Erwachsenenbeitrag um zwei Euro, der Jugendbeitrag um einen Euro erhöht. „Davon geht ein Euro in die energetische Sanierung“, erklärt Sven Beißwenger. „In zwei Jahren sind das zusammen 70.000 Euro, die zweckgebunden verwendet werden.“

An dem Bau eines Sportkindergartens hält die ehrgeizige SG Arheilgen nach wie vor fest. „Das Projekt könnte eine zukunftsorientierte Perspektive in der Stadtentwicklung bieten und gleichzeitig Darmstadts Engpässe bei der Kinderbetreuung mildern“, sagt Finanz-Vizepräsident Beißwenger. Drei Millionen Euro umfasst das Gesamtvolumen. Sieben Gruppen mit insgesamt 120 Kindern sollen im Sportkindergarten Platz finden. „Die Stadt hat bereits signalisiert, dass sie als Kooperationspartner mitmachen will.“ Das könnte bedeuten, dass aus dem städtischen 23 Millionen Euro schweren Kindergarten-Etat Zuschüsse frei gemacht werden. Die Frage nach dem Architekten ist mit Professor Thomas Zimmermann, einem bundesweit tätigen Kindergarten-Planer und selbst Mitglied bei der SGA, bereits geklärt. Noch nicht geklärt ist die Standortfrage in Vereinsnähe.

Bewegung herrscht auch in der Führungsetage der SGA. Seit 01. November leitet Anke Kochenburger (Bild) als hauptamtliche Vereinsmanagerin die Geschäftsstelle. Die 41 Jahre alte Frankfurter Juristin ersetzt  Urgestein Karl Rothmer (67), der sich als Geschäftsführer nach fast 35 Jahren in den Ruhestand verabschiedet. Sie soll den Verein professionell in die Zukunft führen. Thomas Arnold-Münzberg betont die Schärfung des hauptamtlichen Profils im Großverein. „Wir können uns das leisten. Wir haben allein im Gesundheitssportzentrum 800 Mitglieder hinzugewonnen. Und wir wollen in den nächsten Jahren weiter wachsen. Unser Ziel sind 6.000 Mitglieder.“ Die SGA wäre dann der fünftgrößte Verein in Hessen. Mitglieder gewinnen könnte die SGA allein durch die Fusion mit dem FCA Darmstadt. Die Chancen stehen dafür nicht schlecht. Denn der nicht mehr insolvente Club findet keinen neuen Vorstand. Er müsste sich auflösen. „Es ist kein Geheimnis, das wir den Zusammenschluss wollen und vorhaben“, sagt SGA-Chef Arnold-Münzberg. „Wir halten nach wie vor die Fusion für sinnvoll.“ Nach einem positiven Gespräch mit Werner Landau, Vorsitzender des FCA, sieht sich Thomas Arnold-Münzberg bestätigt: „Die Zeit ist reif. Wir werden aber jetzt erstmal entspannt abwarten.“ Es wäre gleichzeitig auch eine Wiedervereinigung, denn 1954 ging der FCA aus der SG Arheilgen hervor.

uk

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